Cecily Corti und die VinziRast

2002: Cecily Corti begegnet Pfarrer Pucher aus Graz und setzt sich für die Errichtung eines VinziDorf Wien nach dem Vorbild des VinziDorf Graz ein. Die intensive Suche nach einem geeigneten Grundstück beginnt und scheitert.

2003: Der Verein Vinzenzgemeinschaft St. Stephan wird gegründet, Obfrau ist Cecily Corti. Die großzügige Spende von Dkfm. Michael Gröller ermöglicht es, ein Zinshaus in der Wilhelmstraße in Wien-Meidling zu erwerben. Im leerstehenden Erdgeschoß soll eine Notschlafstelle für obdachlose Menschen entstehen.  

2004: Das Erdgeschoß wird umgebaut und es entstehen 50 Schlafplätze (Stockbetten) in einem großen Schlafsaal. Es gibt Sanitärräume, einen Aufenthaltsraum und eine kleine Teeküche.

Die Grundsätze werden definiert: Die VinziRast ist eine niederschwellige Notschlafstelle für Menschen ohne Zuhause, Männer und Frauen jeglicher Herkunft, auch mit Hunden, werden aufgenommen. Alkoholkonsum in Maßen ist erlaubt. Die VinziRast wird ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen getragen und nur durch private Spenden finanziert. Die Qualität der Beziehung steht im Vordergrund. Die Menschen werden angenommen wie sie sind, mit Respekt vor ihrem Schicksal und ohne Urteil. Am 6. April 2004 wird die VinziRast eröffnet.

2007: Cecily Cortis Vorhaben, das Haus in der Wilhelmstraße aufzustocken und zu sanieren, wird immer konkreter. Es gelingt ihr, Dr. Hans-Peter Haselsteiner, CEO der STRABAG, als Sponsor zu gewinnen. Er übernimmt die Baukosten, unterstützt vom Dachverband der österreichischen Bauindustrie und des österreichischen Baugewerbes. Die Notschlafstelle wird ausgebaut, sie erhält eine neue Küche und einen größeren Aufenthaltsraum. Die Sanitärräume werden saniert. Zwei Stockwerke werden aufgesetzt und 16 Wohnungen für insgesamt 29 Bewohner*innen errichtet: Das Haus heißt nun VinziRast-CortiHaus.

2008: Eröffnung des VinziRast-CortiHaus. Die Wohnplätze können Menschen aus der Notschlafstelle als Starthilfe dienen, um wieder Tritt zu fassen und Kraft zu sammeln für ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung. Oder es ermöglicht alten und kranken obdachlosen Menschen einen Lebensabend in Würde.

2010: In unmittelbarer Nachbarschaft – auf Wilhelmstraße 2 – wird auf Initiative von Cecily Corti ein Geschäftslokal der Erzdiözese erworben und wieder mit großzügiger Unterstützung von Dr. Hans Peter Haselsteiner umgebaut. Hier finden alkoholkranke Obdachlose, die abstinent leben wollen, einen Dauerwohnplatz. Sie leben wie in einer Familie. Das Ziel ist der ganz normale Alltag, das normale Leben, wie es sich jeder wünscht. Wenn dieses Gemeinschaftsleben gelingt, tritt die Alkoholsucht in den meisten Fällen in den Hintergrund.

2011: Gemeinsam mit Studierenden der Universität Wien wird VinziRast-mittendrin entwickelt: Ein Ort der Begegnung von Studierenden, obdachlosen Menschen und Interessierten, mitten in Wien. Das Haus aus dem 18. Jahrhundert wird generalsaniert. Es umfasst neben den Wohneinheiten das Lokal „mittendrin“ im Erdgeschoß, ein Studierzimmer, Werk- und Veranstaltungsräume.

2013: Eröffnung von VinziRast-mittendrin. Es leben Studierende und ehemals obdachlose Menschen zusammen in insgesamt 10 Wohngemeinschaften, arbeiten miteinander und lernen voneinander.

2014: Das Projekt VinziChance wird ins Leben gerufen. Das Konzept: Inklusion und Identifikation durch Sprache und Betätigung. Nach einer Idee der Regisseurin Jacqueline Kornmüller werden nicht Deutsch sprechende Gäste der Notschlafstelle und geflüchtete Menschen eingeladen, teilzunehmen. Das tägliche Miteinander in den Werkräumen (Textil, Holz, Fahrrad) und im Studierzimmer (Deutschunterricht) trägt wesentlich dazu bei, dass Teilnehmer*innen und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen mit den jeweils unterschiedlichen Kulturen und Lebensarten vertraut werden.

2015: Das Buch „Man muss auf dem Grund gewesen sein“ erscheint. Verfasst von Cecily Corti, aufgezeichnet von Jaqueline Kornmüller.

2016: Eröffnung von VinziRast-Home. Es beherbergt acht Menschen mit positivem Asylbescheid, begleitet von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der VinziRast.

Aktuelle Daten

Derzeit

  • übernachten bis zu 60 Menschen jede Nacht in der Notschlafstelle,
  • leben rund 30 Menschen im VinziRast-CortiHaus, sechs Menschen in der VinziRast-WG, 27 Menschen im VinziRast-mittendrin und acht Menschen im VinziRast-Home
  • sind rund 150 ehrenamtliche Mitarbeiter*innen für die VinziRast tätig: im Nachtdienst, beim Aufbereiten und Sortieren von Sachspenden, beim Einkauf der täglichen Notwendigkeiten, im Büro, in der Schreib- oder Malwerkstatt, im Lokal mittendrin, als Begleitung der Bewohner*innen oder der Teilnehmer*innen der VinziChance.                                                  
  • wird der gesamte Betrieb nach wie vor nur aus privaten Spenden finanziert

Auszeichnungen

Cecily Cortis Engagement wurde durch mehrere Auszeichnungen anerkannt, u. a.

  • Goldenes Verdienstzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
  • Bruno Kreisky-Preis für die Verdienste um Menschenrechte
  • Viktor-Frankl-Ehrenpreis
  • Leopold Kunschak-Anerkennungspreis
  • FundraiserIn des Jahres 2009
  • Ernennung zum Chevalier de l’Ordre de la Légion d’Honneur

Corti zum Lesen

Cecily Corti hat mit diesem Buch einen Text geschaffen, der das Leben nicht auf eine einfache Formel bringt. Es ist ein sehr ehrlicher Text, der das Unangenehme, das Schwierige, das Scheitern nicht ausspart. Kein weichgespülter Text, kein Heldenepos. Ich glaube, dass wir LeserInnen die Lebensgeschichten von Menschen, die Außergewöhnliches schaffen, hören wollen. Wir brauchen Geschichten, die uns Mut machen. Mir persönlich hat dieses Buch Mut gemacht. Weil es mir vermittelt hat, dass ich in jedem Augenblick meines Lebens die Welt zu einem besseren Ort machen kann. 

Elisabeth Stein-Hölzl, stv. Verlagsleiterin, Brandstätter Verlag

Erschienen im Brandstätter Verlag
Erhältlich um 19,90 €