VinziChance Radwerkraum

Der geglückte Tag

VinziChance Mittagessen

©AleksandraPawloff

VinziChance Deutschunterricht

©AleksandraPawloff

In der sengenden Nachmittagshitze Südfrankreichs erzählte mir Cecily Corti zum ersten Mal von den verwaisten Werkräumen des VinziRast-mittendrin. Ein brachliegendes Stück Raum, eine vergessene Chance. Mein Interesse war geweckt. Eine Tischlerei, eine Fahrradreparatur, eine Nähstube, drei Räume – unendliche Möglichkeiten. Langsam begann eine Idee zu reifen, die von Beginn an den Gästen der Notschlafstelle in der Wilhelmstraße gewidmet war.Immerwährend landen Menschen in
Europa an, die zur Sprachlosigkeit verdammt, in tristen Auffanglagern wie Traiskirchen unter ausweglosen Lebensumständen ihr Dasein fristen. Einmal angekommen im ersehnten Europa müssen sie feststellen, wie der Ort der Sehnsucht sich als unwirtliche bürokratische Einöde entpuppt, die sie von ihrer Heimatlosigkeit nicht erlösen wird. Dennoch darf man von einem kleinen Glück sprechen,  wenn sie ihr Weg zu Menschen wie Cecily Corti und ihrem VinziRast-Team führt. Anders als in den von Sicherheitsfirmen geführten Lagern finden sie hier liebevolle Aufnahme, die fürs Erste die schlimmste Not abwehrt. Doch am Morgen nach der Nacht sind sie den Straßen der Großstadt ausgeliefert.


Es gilt also für diese Menschen einen Tag zu erfinden – den geglückten Tag. Was ist von Nöten? Die Sprache des Landes zu erlernen um sich zu orientieren, Mobilität um Freunde oder Verbündete zu finden, seine Fähigkeiten zeigen zu können, um nicht in einer gesichts- und identitätslosen Masse unterzugehen. Anerkennung, Wertschätzung zu erfahren, um erkannt zu werden.
Beginnend mit einer Stunde Deutsch pro Tag im Studierzimmer können im Anschluss in den drei Werkräumen täglich zwölf Menschen werken. Die VinziChance – wie Christian Spiegelfeld sie getauft hat – war geboren. Hier nähen die Gäste der Notschlafstelle aus ausgedienten Kaffeesäcken Pölster, kleben aus weggeworfenen Obststeigen Holzkisten, oder bauen schrottreife Fahrräder wieder zusammen. Unweigerlich denkt man an Sisyphos, dessen Tagwerk, immer wieder von Neuem zerstört, immer wieder von Neuem recycelt wird. Albert Camus schreibt in seinem Sisyphos: Die Empörung angesichts von Unmenschlichkeit und Leid führe den Menschen aus der Einsamkeit heraus zur Solidarität mit seinen Mitmenschen. In der Revolte werde der Mensch vom «solitaire» zum «solidaire» und kämpfe für etwas, das ihn mit allen Menschen verbindet – der menschlichen Würde.

Die VinziChance ist nur ein zartes Modell, das an den Rändern des Elends agiert. Und doch erfahren wir täglich, wie es übertragbar wäre aufs große Ganze.



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