Frühstück im VinziRast Lokal mittendrin

Frühstück mit Chris Lohner

Veronika Kerres trifft die Schauspielerin, Kabarettistin und "Stimme der ÖBB" zum Frühstücken und Plaudern im VinziRast-Lokal mittendrin.

Hat sich Solidarität in der Gesellschaft verändert?  
Je größer der Wohlstand, umso größer wird der Abstand zum Nächsten. Die Menschen sind egomanischer, egoistischer geworden – mit viel weniger Empathie und Respekt.  

Glauben Sie, dass sich ein Perspektivenwechsel erzwingen lässt?  
Es braucht immer die persönliche Begegnung. Einzelschicksale berühren, weil man sich damit identifizieren kann. Einen Perspektivenwechsel kann man nicht erzwingen, aber man muss bereit sein, sich darauf einzulassen.  

Woher kommt Ihr soziales Engagement?  
Ich komme aus einer humanistischen Familie. Mein Vater war Volkshochschuldirektor im 5. Bezirk – ein unglaublich hilfsbereiter Mensch. Das prägt. Helfen ist keine Einbahnstraße: Das Gefühl, wenn jemand eine Freude hat und dir diese Freude zeigt, das kann man sich nicht kaufen.  
 
Jede fünfte Person in Österreich ist armutsgefährdet. Wenn jemand sagt, wer arm ist, ist selbst schuld – was antworten Sie?  
Das ist der dümmste Satz, den ich je gehört habe. Es kann schnell jeden von uns treffen. Wer so denkt, verwechselt Bildung mit Herzensbildung.  

Glauben Sie, dass die Politik versagt, weil es Institutionen wie VinziRast braucht?  
Ohne NGOs geht gar nichts. Ich würde die Politiker gerne fragen: Was macht ihr für die, denen es schlechter geht als euch? Schaut ihr dorthin – oder schaut ihr gar nicht hin?  

Was soll Ihr Vermächtnis sein?  
Ich brauche kein Vermächtnis. Es reicht mir, wenn tausende Menschen in Afrika durch meine Arbeit wieder sehen konnten. Oder wenn jemand ein bisschen besser dasteht, weil ich bei VinziRast vorbeigeschaut habe. Da muss mein Name nicht dranhängen.  

Welchen Appell richten Sie an unsere Leserinnen und Leser?  
Jeder soll sich überlegen, was er als Einzelperson tun kann, um für jemand anderen das Leben ein bisschen zu verbessern. Alles, was ich will: dass Menschen anfangen nachzudenken – über andere. Mehr muss es nicht sein. Wegschauen ist Mittäterschaft. 

Aktuelles

Vergangenen Mittwoch hat Erzbischof Josef Grünwidl zwei Einrichtungen der VinziRast (Notschlafstelle und CortiHaus) besucht.

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