© VinziRast

Was wurde aus... ?

In unserer aktuellen VinziRast-Zeitung (Jänner 2021) greifen wir Porträts aus früheren Ausgaben wieder auf, und haben uns gefragt "Was wurde aus... ?"

Lesen Sie hier die ursprünglichen Beiträge:

 

 

VinziChance Teilnehmer
© Aleksandra Pawloff

Eine Reise nach Wien

Im Syrien-Krieg will sich M. (Übersetzer, drei Sprachen, jetzt VinziChance-Teilnehmer) keiner Gruppe anschließen. Die Lage ist gefährlich. Kein Wasser, keine Nahrungsmittel, zwölf Stunden Bombardement. Wie viele Syrer flieht M. in die Türkei, per Bus. Die Familie soll nachkommen. Aber auch in der Türkei herrscht Krieg zwischen den Syrern. Also weiter nach Bulgarien. Kein Geld, keine medizinische Hilfe für die Thrombose in seinem Bein. M. braucht Blutverdünner. Übersetzerjobs ja, aber irgendwann setzt es Mafia-Prügel. Das Spital will Bares, was er nicht hat. In Wien gibt es syrische Freunde, also dorthin. Endlich Asyl! Endlich Hilfe, Respekt und Sicherheit. Jetzt fehlt nur noch ein Pass, damit meine Frau Nihal und die Kinder nachkommen können. In Syrien kann ihnen jederzeit etwas passieren. Danke Österreich!

 

 

© Homolka

Der Martin und der Michi

Achtzigerjahre in Wien – graue Vorstadt.
Dem großen Michi (rechts) fällt der kleine Martin (links) auf, der Bub aus der Nachbarwohnung, damals fünf Jahre alt: schwieriges Kind, überforderte Mutter, strenger Stiefvater. Michi wird Saufkumpane des Stiefvaters. Er versucht aber auch sein Bestes mit dem Buben. Doch Martin haut ab mit 14, gilt als Taugenichts, niemand schert sich um ihn. Nur Alkohol hilft.
Erst 2015 treffen sie einander wieder in der Gruft. Jetzt hilft der kleine Martin dem großen Michi, der inzwischen ein großer Trinker ohne Obdach ist. Er nimmt ihn mit in die VinziRast-WG für Alkoholkranke. Zuerst geheim. Dann, nach innerem Ringen, ganz offen.
Martin: Der Michi ist meine Vergangenheit, meine Gegenwart und Zukunft.
Michi: Der Martin hat mich gerettet! Hier ist mein Zuhause.

VinziRast-mittendrin WG-Porträt
© Aleksandra Pawloff

Der Sprung ins kalte Wasser

Ich bin 22 Jahre alt, Student, und lebe seit dem 29. April 2013 im VinziRast-mittendrin. Davor wohnte ich bei meinen Eltern, also war das meine erste WG-Erfahrung, noch dazu mit wildfremden Menschen. Das war schon ein Sprung ins kalte Wasser. Zu Beginn traute ich mich noch selten aus dem Zimmer, aber mittlerweile fühle ich mich hier sehr wohl. Schnell lernte ich die anderen Hausbewohner und -bewohnerinnen kennen und man begegnet sich regelmäßig im Haus. Hin und wieder kommt es zu netten Zusammenkünften in den WGs oder den Gemeinschaftsräumen. Schwierigkeiten hatte ich zum Beispiel beim Putzen. Da das meine erste Wohngemeinschaft ist, mussten mir meine Mitbewohner noch einiges bezüglich Sauberkeit beibringen. So lernt man auch voneinander. Ich wohne gemeinsam mit Simon (43), ehemals obdachlos, gebürtiger Kameruner aus der Schweiz und Mohammed (20) aus Afghanistan. Mit Simon bin ich schon von Anfang an in der WG und er hat schon viel seiner Lebenserfahrung mit mir geteilt. Ich helfe ihm, wenn er Computerprobleme hat. Er ist ein geselliger Mensch und hat auch öfter Besuch, aber wir achten darauf, dass wir uns abends nicht stören. Mohammed geht in die Berufschule, macht eine Lehre als Koch. Er ist sehr fleißig und will sein Deutsch verbessern. Er kocht gerne und macht extra große Portionen um mit allen zu teilen. Ich versuche ihm mit seinen behördlichen Dokumenten und Briefen zu helfen und übersetze sie. Wir sind drei Menschen mit einem sehr unterschiedlichen Lebensrhythmus und es gibt für mich immer noch einiges zu lernen. Immer wieder erleben wir neue Situationen, Hürden und Schwierigkeiten und auch schöne Momente.

Drei Männer und ein Stadl

Ein akademischer Maler aus Wien träumt schon lange von einem eigenen Atelier. Malerfreunde geben ihm einen heißen Tipp: ein ehemaliges Kaufhaus mit Grund in der Gemeinde Grafenegg/ NÖ, gleich beim Bahnhof, gut erreichbar von Wien...

Er ist begeistert, kauft und baut sich sein Traumatelier hinter das Haus in den großzügigen Garten. Mit einem richtig großen Fenster Richtung Norden für bestes MalLicht. Nördlich des Hauses steht ein schöner, alter Holzstadl, 12 x 8 Meter. Guter Zustand, aber er wirft Schatten ins Atelier. Der Stadl wird gegen Selbstabholung verschenkt, beschließt der anonyme Gönner. Der VinziRast-Architekt Alexander Hagner, Atelier gaupenraub, bekommt Wind von der Sache. Weil er auch Tischler ist und Holz liebt, will er die beste Lösung für den Stadl finden und kombiniert blitzschnell: Das wird der Hühnerstall für VinziRast am Land!
Gesagt, aber leider noch nicht getan: Wie kommt so ein Holzstadl von Grafenegg nach Mayerling? Alexander Hagner kontaktiert einen guten Bekannten, Mag. Thomas Radatz vom Kolleg für Holztechnik der HTL Mödling. Dieser erklärt den Ab- und Aufbau des Stadls zum Unterrichtsprojekt.
Im Frühling 2020 wird also ab- und aufgebaut! Durch die Tatkraft der HTL-Schülerinnen und -Schüler entsteht also ein schönes Zuhause für 200 glückliche Hühner und ein paar Hasen.


© Homolka

Gast im Porträt: Ismail

Syrer gräbt in Österreich

Wer hätte das gedacht? Ismail Alhoseen, 33-jähriger Flüchtling aus Syrien, hat Archäologie in Aleppo studiert. Beim Arbeitsamt gilt man mit dieser Ausbildung als schwer bzw. nicht vermittelbar, selbst Österreicher finden mit diesem Studium nur schwer eine Anstellung. „Nie im Leben hätte ich mir gedacht, dass ich in meinem Beruf eine Arbeit in Österreich finde.“

Ismail ist seit zwei Jahren Gast im VinziRast-HOME und hatte das Glück sich für Ausgrabungen bei ASINOE Archäologisch-Soziale Intiative Niederösterreich bewerben zu können. Im März wurde er auch prompt eingestellt. Wermutstropfen: vorerst nur für sechs Monate, weil die Geldmittel für das Projekt nach 27 Jahren eingestellt werden.

Ismail ist eifrig bei der Sache. Er hat mittlerweile an der Wollzeile beim Stephansdom nach mittelalterlichen Spuren gesucht, fein säuberlich mit dem Pinsel. Etwa 500 Jahre alte Münzen kamen dabei zum Vorschein. Nun gräbt er mit einem Team von zehn Archäologen in der Nähe von St. Pölten. Dort sucht man nach Scherben mittelalterlicher Keramik.

Die Arbeit bedeutet viel: „Es war vorher oft schwierig, denn ich hatte das Gefühl, dass mein Leben irgendwie gestoppt war. Ohne Arbeit konnte ich mir mein Leben nicht aufbauen.“  Nun geht sein Leben weiter: Im August zieht er in eine eigene, kleine Wohnung in Wien-Favoriten. 

Aktuelles

Auch während der herausfordernden Zeit des Lockdowns möchten wir weiterhin mit herrlichen Speisen aus unserem Lokal mittendrin verwöhnen.

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Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen musste auch die VinziRast-Notschlafstelle wieder Maßnahmen einführen, um unsere Gäste - zum Großteil fallen...

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Über die Aktion „Gemeinsam umverteilen – Gutscheine weiterschenken“ sollen die Wiener Restaurantgutscheine an bedürftige Menschen weitergegeben...

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Unter dem Motto "Ein Zuhause sichern" haben wir auf Facebook eine Spendensammelaktion gestartet.

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Ab Freitag 15. Mai, ist unser Lokal mittendrin endlich auch wieder für "bleibende" Gäste geöffnet: Montag bis Freitag zwischen 10.00 und 23.00 Uhr.

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